Basistarif – der ungeliebte Einstieg in die PKV

07.November 2008

Die Gesundheitsreform bringt auch für die privaten Krankenversicherungen Neuerungen – auch solche, die sich sich nicht gewünscht haben. Während bei der gesetzlichen Krankenversicherung der neu geschaffene Einheitsfonds für Diskussionen sorgt, ist es bei der PKV der Basistarif, der dort auf wenig Gegenliebe stößt. Die privaten Krankenversicherungen sind ab nächstem Jahr gesetzlich dazu verpflichtet, einen so genannten Basistarif anzubieten. Dieser Tarif entspricht in seinen Leistungen in etwa dem, was auch die gesetzlichen Krankenkassen anbieten. Der Gedanke, die PKV zur Einführung eines solchen Tarifs zu verpflichten rührt daher, da viele ehemalige Privatpatienten aus irgendwelchen Gründen ihre Versicherung gekündigt haben – meist, weil sie sich dies nicht mehr leisten konnten. Diese Personen stehen heute oft ohne jede Krankenversicherung da, weil die gesetzlichen Krankenkasse sie nämlich nicht wieder aufnehmen müssen. Genau diesen Betroffenen soll ebenfalls, wie allen anderen Bürgern, die Möglichkeit eröffnet werden, wieder in eine Krankenversicherung zurück zu kehren. Der Nachweis einer Krankenversicherung ist seit drei Jahren ohnehin verpflichtend; auch damit diese Bürger ihrer Verpflichtung nunmehr nachkommen können, wurden die privaten Krankenkassen gezwungen, den Basistarif zu schaffen. Die privaten Krankenversicherer sind naturgemäß darüber nicht sehr glücklich. Da sie nunmehr jeden in diesen Tarif aufnehmen müssen, der dies wünscht, haben sie hier keinen Einfluss mehr auf das Kostenrisiko, dass sie mit einem solchen Kunden eingehen. Jeder andere Aspirant einer privaten Krankenversicherung muss unter anderem eine obligatorische Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen. Stellt sich heraus, dass er auf Grund seiner Krankengeschichte ein zu hohes Risiko darstellt, wird ihm die Aufnahme entweder verweigert oder er muss einen entsprechend höheren Beitrag zahlen. Eine Gesundheitsprüfung und ein Risikozuschlag ist jedoch beim Basistarif nicht vorgesehen, so dass sogar Kunden mit bereits bestehenden Erkrankungen in die PKV zurückkehren können. Da der Tarif nicht teurer sein darf als der teuerste Krankenkassenbeitrag, besteht auch auf der Einnahmeseite kein Spielraum für die PKV. Da sich der Tarif also voraussichtlich nicht rechnen wird, werden die Mehrkosten wohl die anderen Kunden der PKV durch höhere Beiträge mitfinanzieren müssen. Aus diesem Grund haben die privaten Krankenversicherer Verfassungsbeschwerde eingelegt. Obgleich darüber noch nicht entschieden wurde, hoffen die Unternehmen, dass der Basistarif noch im letzten Moment gestoppt werden kann. Trotzdem laufen die Vorbereitung für eine pünktliche Einführung zum Jahreswechsel.

Artikel gespeichert unter: Akademiker Private Krankenversicherung

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